Panoramaflug durch die Allgäuer Alpen nach Kempten (EDMK)

Schon als wir zu Hause aufbrechen, verspricht der Himmel Kaiserwetter. Kein Wölkchen ist zu sehen, von hier bis Garmisch. Heute fliege ich das erste Mal mit meinem Vater. Und wir haben uns eine wirklich schöne Strecke ausgesucht.

Wie so oft zieht es mich früh zum Flugplatz. Um Punkt 9 Uhr ist die Aquila an diesem Samstag morgen betankt und gecheckt. Wir hüpfen in die Maschine und ich gebe meinem Vater eine kurze Sicherheitseinweisung. Und dann geht es auch schon los. Über die Piste 13L verlassen wir die Hahnweide im rechten Querabflug und setzen Kurs Richtung Hohenneuffen und die Schwäbische Alb. Die Sonne entfaltet auch in diesen frühen Vormittagsstunden bereits ihre ganze spätsommerliche Kraft und wir öffnen die Lüftungsdüsen bis zum Anschlag. Unterdessen spielt mir die GoPro, die ich als Cockpit-Kamera installiert habe, einen Streich und versagt bereits wenige Minuten nach dem Start den Dienst. Ungeachtet dessen freuen wir uns sehr auf den heutigen Flug.

Unser Ziel sind die Allgäuer Alpen. So steige ich bereits auf der Schwäbischen Alb mit südöstlichem Kurs auf FL 75. Schon ziehen unter uns Laupheim und Memmingen vorbei, nach nur 45 Minuten erreichen wir das Kempten VOR. Von hier aus beginnt die eigentliche Sightseeing-Tour. Der Ausblick ist bereits eine Augenweide. Im Süd-Osten ist die Zugspitze zu sehen, im Süden lassen sich Inn-Tal und Ötz-Tal erahnen, im Südwesten markiert der Pfänder das Ufer des Bodensees und noch ein Stückchen weiter ragt der Schweizer Säntis mit Schneeverschneitem Gipfel in den stahlblauen Himmel.

Das Illertal im Blick steigen wir weiter auf 8.500ft, den lokalen Luftdruck habe ich zuvor via Memmingen ATIS abgehört. Wir passieren die Seenlandschaft bei Füssen und überfliegen die Deutsch-Österreichische Grenze. Linker Hand sind in einem Seitental bereits der Haiterbacher- und der Plansee zu sehen. Ich erinnere mich an meinen Flug nach Venedig im Mai, bei dem ich diesen Anblick schon einmal genießen durfte.

Genau unter uns liegt nun Reutte, Tirol. Die Kieselsteine der Iller leuchten markant im Tal. Noch bevor ich mit meiner PPL-Ausbildung begonnen habe, war es ein sehnlicher Wunsch von mir, hier einmal entlang zu Fliegen. Das Tannheimer Tal zeigt sich im Sonnenlicht von seiner Besten Seite und so ziehen wir die eine oder andere Steilkurve um einen möglichst freien Blick auf dieses wunderbare Bergidyll zu ergattern.

Das Tannheimer Tal stellt zugleich unsere weiterführende Route dar. Wir lassen den Haldensee hinter uns und überqueren bei Oberjoch die Grenze zurück nach Deutschland. Über Bad Hindelang gehe ich zu einem steilen Sinkflug über. Bis zur Zwischenlandung Kempten sind es weniger als 8 Minuten und die Platzrundenhöhe dort beträgt 3.300ft.

An Sonthofen und dem Grünten mit seinem markanten Sendemasten vorbei genießen wir noch ein letztes Mal den Blick auf Immenstadt, das Immenstädter Horn, den Mittag, Steineberg und Stuiben, bevor es schließlich Richtung Niedersonthofener See geht.

Am Flugplatz Kempten ist die Piste 35 in Betrieb und so fliege ich noch eine kleine Schleife über das Autobahndreieck Allgäu, um schließlich von Osten kommend in die Rechtsplatzrunde einzudrehen. Die Landung in Kempten verläuft ruhig, der Wind ist Still.

Die Türmer sind nett und auch der Käsekuchen schmeckt uns hervorragend, als wir auf der schönen Gartenterasse des Flugplatz Cafés das Alpenpanorama vom Boden aus genießen. Ein paar Fallschirmspringer kreisen über dem Platz gen Boden. Dann machen wir uns wieder auf den Rückweg. Über die Piste 25 und den Abflugkorridor den Fluss entlang nehme ich direkten Kurs zur Hahnweide. Ein bisschen wehmütig blicken wir in die flache Landschaft vor uns. Und als wir auf der Hahnweide landen, sind wir mit unseren Gedanken noch in den Alpen. Ein wirklich wunderbarer Tag.